Katharina von Genua

Katharina war Tochter der adligen Familie Fieschi, aus der auch die beiden Päpste Innozenz IV. und Hadrian V. stammten und deren Palast an der Familienkirche Santa Maria in Via Lata stand; ihr Vater war Vizekönig von Neapel. Mit 16 Jahren heiratete sie gezwungenermaßen den Genueser Edelmann Giuliano Adorno. Nach zehnjähriger schlechter Ehe, während der sie oft zurückgezogen im Gebet, zeitweise auch aushäusig in Vergnügungen lebte, besuchte sie ihre Schwester in einem Franziskanerordenkonvent. Dort erfuhr sie 1474 die erste Erleuchtung und Erscheinung des gekreuzigten Christus; sie lebte nun in Enthaltsamkeit und Askese, zog in ein Haus nahe des damaligen Pammatone-Krankenhaus - das an der Stelle des heutigen Justizpalastes stand - in Genua, geißelte sich, pflegte Arme und Kranke und schloss sich 1479 als Tertiarin dem Franziskanerorden an. aus ihrem Haus wurde ab 1488 ein Kloster der Franziskaner mit der Kirche Santissima Annunziata di Portoria - heute auch nach ihr als Kirche Santa Caterina bezeichnet.
Katharina kümmerte sich v. a. um die Kranken im damaligen Pammatone-Krankenhaus, wo sie 1489 Vorsteherin der Frauenabteilung wurde. Während zweier Pestepidemien arbeitete sie unermüdlich für die Kranken und Sterbenden. Unter ihrem Einfluss enstand die Gemeinschaft der Göttlichen Liebe mit Aufgaben in der Krankenpflege. Sie selbst kasteite sich, während der Fastenzeit ernährte sie sich nur von der Kommunion, ihr wurden mystische Gnadengaben zuteil.

Nachdem er seinen ganzen Besitz verloren hatte, folgte auch ihr Mann in seinen letzten Lebensjahren Katharinas Beispiel und schloss sich dem Franziskanerorden an, bis er 1497 starb. Nun begann Katharinas Seelenführer mit der Aufzeichnung ihrer Lebensgeschichte und ihrer spirituellen Erfahrungen und Lehren: 1551 erschien dieses "Libro de la Vita mirabile e dottrina santa di S. Caterina Fieschi", das Buch des wunderbaren Lebens und der heiligen Lehre der Heiligen Katharina Fieschi. Ihre Offenbarungen geben die beiden Bücher Dialogo del Divino Amore, Dialog von der göttlichen Liebe, sowie Trattato del purgatorio, Abhandlung über das Fegefeuer wieder. Das Fegefeuer ist für sie zwar ein Ort des Leidens, aber die Seelen sind dort von Freude erfüllt, weil sie sich von Gott geleitet wissen, deshalb verstärken sich zwar der Schmerz, aber auch die Freude, je näher der Zeitpunkt ihrer Erlösung heranrückt.

Katharina wurde in der Kirche Santissima Annunziata di Portoria in Genua bestattet.

Kanonisation: Katharina wurde am 6. April 1675 von Papst Clemens X. selig- und am 16. Juni 1737 von Papst Clemens XII. heiliggesprochen. 1944 ernannte Papst Pius XII. sie zur zweiten Patronin der italienischen Krankenhäuser. 2004 gab es Meldungen, Katharina könne als vierte Frau in der Geschichte und als erste Verheiratete zur Kirchenlehrerin ernannt werden.
Worte der Heiligen
Die drei Weisen der menschlichen Gottesliebe:
“Man sagt, die Werke werden für die Liebe vollbracht, wenn der Mensch alles, was er tut, aus Liebe zu Gott tut, aus jener Liebe, die ihm von Gott gegeben ist mit dem Verlangen, für sein und seines Nächsten Heil zu wirken. In diesem ersten Stadium der Liebe lässt Gott den Menschen viele und verschiedenartige, nützliche und notwendige Werke vollbringen, und zwar werden sie mit einem Gefühl frommer Zuneigung und erbarmender Güte gewirkt.
Die Werke des zweiten Stadiums der Liebe werden in Gott vollbracht. Das sind jene Werke, die ohne Ausblick auf irgendeinen eigenen oder eines Nächsten Nutzen getan werden, die aber in Gott verbleiben ohne irgendeinen anderen Zweck desjenigen, der sie gewirkt hat. [Und wegen der Gewohnheit, die sich der Mensch erworben hat, Gutes zu wirken, verharrt er im Wirken, obwohl ihm Gott seinen eigenen Teil dabei entzogen hat, der ihm früher half und ihn erfreute. Aus diesem Grund ist ein solches Werk vollkommener als die ersteren Werke, weil der Mensch im ersten Stadium noch viele Zwecke verfolgte, die Leib und Seele befriedigten. Die Befriedigung an den eigenen guten Taten wird weggenommen.]
Die Werke endlich, die von der Liebe vollbracht werden, sind noch vollkommener als diejenigen der beiden anderen Arten, denn sie werden ohne eine Beteiligung des Menschen vollbracht. Die Liebe hat den Menschen so sehr überwunden und besiegt, dass er sozusagen ganz untergegangen ist im Meer der Liebe, ohne zu wissen, wo er ist. Er ist in sich selbst ganz vernichtet und nicht imstande, irgend etwas zu wirken. In diesem Falle ist es die Liebe, die in dem Menschen wirkt. Ihre Wirkungen sind Werke der Vollkommenheit, da sie ohne eigenes Dazutun des Menschen vollbracht werden. Es sind Werke der Gnade, die Gott alle entgegennimmt. Diese süße und reine Liebe hat den Menschen genommen und vollständig in sich hineingezogen und ihn ganz von seinem Selbst befreit. Sie hat von ihm vollkommen Besitz ergriffen. [Sie wirkt fortwährend in diesem Menschen und durch diesen Menschen, nur zu seinem Wohl und Nutzen, ohne dass er selbst sich einmischt.]”