Der Spiritismus und die Notwendigkeit, ihn klar zu definieren

Kürzlich vernahm ich die Worte eines Herren auf YouTube, der behauptete, dass es sehr schwer sei, den Spiritismus in Deutschland zu verbreiten. Der Grund hierfür läge, seiner Auffassung nach, in der Geschichte Deutschlands, die traurig und düster gewesen sei. Dieses Leid sei zumeist von der Kirche ausgelöst worden (z.B. Hexenverbrennungen). Dabei betonte der besagte Herr, dass Religion zwar nicht gleichbedeutend mit Kirche sei, aber dennoch ihre Taten ein schlechtes Licht auch auf den Spiritismus werfen. Schlüge man nämlich ein Lexikon auf und schaue nach dem Begriff "Spiritismus ", so sei hierzu die Definition "Schwarze Magie, Geisterkult usw. zu finden. Also alles Definitionen mit negativer Behaftung.
Daher sei es wichtig, bei der Verbreitung des Spiritismus in Deutschland, den Fokus nicht auf die Geister, sondern auf die Lehren Kardecs zu legen. Darum sollte dabei die logische Konsequenz sein, den Begriff "Spiritismus " abzulegen und stattdessen das Wort 'Kardecismus ' zu verwenden. Dies würde eine Spezifizierung auf die Lehren Kardecs bedeuten und der Verbreitung dienen. Soweit, so gut. Die Gedanken dieses Herren mögen ehrenvoll sein und sind bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar und richtig, dennoch weisen sie gravierende Schönheitsfehler auf. Es ist wahr, dass es ein sehr schwieriges Unterfangen ist, den Spiritismus in Deutschland zu verbreiten. Und es mag auch sein, dass ein Grund dafür in der Geschichte Deutschlands und den vergangenen Taten der Kirche zu finden ist. Und es trifft vollkommen zu, dass das Bild des Spiritismus in der "nicht spiritistischen" Öffentlichkeit negativ und mit falschen Behauptungen behaftet ist.
Der Spiritismus hat absolut nichts mit Schwarzer Magie zu tun und ist auch kein düsterer Kult mit Totenbeschwörung. Und es stimmt, dass es immer wieder Betrüger gab, die den Spiritismus für ihre Zwecke missbrauchten. Aber dieses falsche und negative öffentliche Bild des Spiritismus ändern wir nicht, indem wir dem Kind einen anderen Namen geben und halbwahre Behauptungen aufstellen. Und selbst wenn das auf diese Weise gelänge, wäre dies nicht im spiritistischen Sinne und auch nicht im Sinne Allan Kardecs.
Es sei betont, der Spiritismus ist nicht die Lehre Allan Kardecs, sie ist die Lehre der Geister. Dies ist eine Tatsache, die wir auf gar keinen Fall verschleiern dürfen. Es würde sonst die ganze Grundlage des Spiritismus verfälscht werden. Die Missionierung zum Spiritismus darf niemals auf dem Boden der Lüge erfolgen. Denn das würde gegen das achte göttliche Gebot "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten" eklatant verstoßen. Aus faulen Wurzeln kann kein gesunder Baum entwachsen. Allan Kardec war nicht der Stifter des Spiritismus, sondern dessen Kodifizierer. Das ist ein großer Unterschied. Es waren die Geister, die die Weisheiten des Spiritismus durch Medien diktierten. Kardecs von Gott gegebene Aufgabe bestand nun darin, diese aus der geistigen Welt stammenden Diktate zu sammeln und mittels seines nüchternen, klaren und logischen Verstandes zu bewerten und anschlief3end zu einer homogenen Philosophie zu verdichten. Dafür hätte es keinen besseren für diese Aufgabe geben können.
Denn Allan Kardec war keine schwärmerischer Träumer, der leicht zum Opfer von Truggeistern hätte werden können. Er war ein Pädagoge, ein Wissenschaftler, der sich nur durch eine rationale Beweisführung überzeugen ließ. So verstand er auch den Spiritismus nicht als Religion, sondern als Philosophie und Wissenschaft. Kardec setzte keinen blinden Glauben voraus, sondern forderte die Menschen dazu auf, sich selbst überzeugen zu lassen. Er selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, die Lehren der Geister zu verbiegen und zu verwässern, nur um die Menschen von dessen Wahrheitsgehalt zu überzeugen. Wir sollten dem Beispiel dieses großen Mannes folgen und fest in der Überzeugung an die spiritistischen Offenbarungen bleiben.
Wir sollten unter allen Umständen authentisch bleiben und dürfen die durch Gottes Gnaden und von den guten Geistern geoffenbarte Lehre nicht verbiegen oder nach dem Gusto der Menschen verdrehen. Der Spiritismus ist nicht nur ein Glaube oder eine übernatürliche Attraktion für neugierige Zeitgenossen, die am Ende dann doch alles in die Lächerlichkeit ziehen. Der Spiritismus ist eine ernstzunehmende Wissenschaft, wie Kardec betonte. Und genau das ist ihre Stärke. Die spiritistische Lehre weist (im Gegensatz zu den Religionen etc.) den schlichten, blinden Glauben von sich, stattdessen fordert er die Menschen auf, ihre Wahrheit selbst zu erfahren und logisch zu überprüfen. Wir Spiritisten brauchen uns daher nicht vor der Meinung Außenstehender zu fürchten. Der Siegeszug des Spiritismus ist vor Gott eine beschlossene Sache. Bleibt standhaft. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der Spiritismus sich auf der ganzen Welt verbreitet, so auch in Deutschland.
Artikel verfasst von Daniela M., Medium und Spiritistin
24.03.2025 Berlin/Deutschland