Warum Spiritisten den Tod nicht fürchten
Aus dem Buch: Himmel und Hölle - Allan Kardec

Die spiritistische Lehre verändert die Art und Weise, wie wir die Zukunft betrachten, völlig. Das zukünftige Leben ist keine Hypothese mehr, sondern eine Realität. Der Zustand der Seelen nach dem Tod ist nicht länger ein System, sondern das Ergebnis von Beobachtungen. Der Schleier hat sich gelüftet: Die geistige Welt erscheint uns in der Fülle ihrer praktischen Realität. Nicht Menschen haben sie durch die Anstrengung einer genialen Vorstellung entdeckt, sondern die Bewohner dieser Welt selbst, die uns ihre Situation beschreiben. So sehen wir sie auf allen Stufen der geistigen Skala, in allen Phasen des Glücks oder des Unglücks, und wir werden Zeugen aller Wechselfälle des Lebens jenseits des Grabes.
Deshalb sehen Spiritisten dem Tod in ihren letzten Momenten auf Erden mit Ruhe und Gelassenheit entgegen. Sie werden nicht nur durch Hoffnung, sondern auch durch Gewissheit getröstet. Sie wissen, dass das zukünftige Leben nur eine Fortsetzung des gegenwärtigen Lebens ist, wenn auch unter besseren Bedingungen, und sie erwarten es mit der gleichen Zuversicht, mit der sie den Sonnenaufgang nach einer stürmischen Nacht erwarten. Die Gründe für diese Zuversicht ergeben sich aus den Tatsachen, die sie erlebt haben, und aus der Übereinstimmung dieser Tatsachen mit der Logik, mit der Gerechtigkeit und Güte Gottes sowie mit den innersten Bestrebungen des Menschen. Für den Spiritisten ist die Seele keine Abstraktion; sie hat einen ätherischen Körper, der sie zu einem konkreten Wesen macht, das vom Denken erfasst und umschlossen werden kann, das bereits die Vorstellungen von seiner Individualität, seinen Fähigkeiten und seinen Wahrnehmungen festlegt.
Die Erinnerung an diejenigen, die uns lieb sind, beruht auf etwas Realem. Wir stellen sie nicht mehr als flüchtige Flammen dar, die nichts zu unseren Gedanken sagen, sondern in einer konkreten Form, die sie uns als lebendige Wesen zeigt. Außerdem sind sie nicht mehr in den Tiefen des Raumes verloren, sondern überall um uns herum, denn die körperliche Welt und die geistige Welt stehen in ständiger Beziehung zueinander und unterstützen sich gegenseitig. Da es keinen Zweifel mehr an der Zukunft gibt, verliert die Angst vor dem Tod ihre Daseinsberechtigung. Der Spiritist begegnet dem Tod kaltblütig. Er sieht ihn als eine Befreiung, denn er ist das Tor zum Leben und nicht zum Nichts.