Gut leiden und schlecht leiden
Aus dem Buch: Das Evangelium im Lichte des Spiritismus – Allan Kardec

Als Christus sagte: "Selig sind die Betrübten, denn ihnen gehört das Himmelreich", meinte er nicht allgemein diejenigen, die leiden, denn alle auf der Erde leiden, ob sie nun auf einem Thron sitzen oder auf Stroh schlafen. Doch leider sind es nur wenige, die gut leiden. Nur wenige verstehen, dass nur die Prüfungen, die man gut erträgt, zum Reich Gottes führen. Entmutigung ist ein Fehler. Gott weigert sich, dir Trost zu spenden, wenn du keinen Mut hast. Das Gebet ist eine Stütze für die Seele, aber es reicht nicht aus; es muss durch einen lebendigen Glauben an die Güte Gottes unterstützt werden. Man hat euch oft gesagt, dass Gott keine schwere Last auf schwache Rücken legt. Die Last steht im Verhältnis zur Stärke, so wie der Lohn im Verhältnis zur Resignation und zum Mut stehen wird. Die Belohnung wird umso wertvoller sein, je schwerer das Leid ist. Aber diese Belohnung muss verdient werden, und deshalb ist das Leben reich an Trübsal.
Der Soldat, der nicht an die Front geschickt wird, ist nicht zufrieden, denn die Ruhe im Lager ist nicht förderlich für seine Beförderung. Seid also wie der Soldat und sehnt euch nicht nach Ruhe, denn das würde euren Körper und eure Seele abstumpfen lassen. Wenn Gott euch in den Kampf schickt, seid guten Mutes. Dieser Kampf findet nicht im Feuer der Schlacht statt, sondern in der Bitterkeit des Lebens, wo manchmal mehr Mut erforderlich ist als im blutigen Kampf, denn wer vor dem Feind standhaft bleibt, kann unter der Last des moralischen Kummers zerbrechen. Der Mensch erhält keine Belohnung für diese Art von Mut, aber Gott reserviert ihm die Palme des Sieges und einen Platz in der Herrlichkeit. Wenn ihr Grund zum Leiden oder Ärgernis habt, versucht, es zu überwinden, und wenn ihr die Impulse der Ungeduld, des Zorns oder der Verzweiflung beherrscht habt, sagt mit gerechter Genugtuung zu euch selbst: "Ich bin stärker gewesen".
Selig sind die Betrübten kann daher wie folgt übersetzt werden: "Selig sind die, die Gelegenheit haben, ihren Glauben, ihre Standhaftigkeit, ihr Ausharren und ihre Unterwerfung unter den Willen Gottes zu erproben, denn sie werden die Freude, die ihnen auf Erden fehlt, hundertfach erlangen, und nach ihrer Arbeit wird Ruhe einkehren". (Lacordaire. Le Havre, 1863.)