Der Fortschritt der Geister
aus dem Buch: Himmel und Hölle - Allan Kardec

Die Geister werden als einfache und unwissende Wesen geschaffen, die jedoch aufgrund ihres freien Willens zu Fortschritt und Vervollkommnung fähig sind. Durch den Fortschritt erlangen sie neue Kenntnisse, neue Fähigkeiten, neue Wahrnehmungen und folglich neue Freuden, die den niederen Geistern unbekannt sind. Sie sehen, hören, fühlen und verstehen, was rückständige Geister nicht sehen oder hören, fühlen oder verstehen.
Das Glück hängt mit dem erreichten Fortschritt zusammen, so dass von zwei Geistern der eine nicht so glücklich sein kann wie der andere, nur weil er nicht den gleichen intellektuellen und moralischen Fortschritt erreicht hat, ohne dass sich jeder an einem anderen Ort befinden muss.
Obwohl sie zusammen sind, kann der eine inmitten der Dunkelheit sein, während um den anderen herum alles leuchtet, so wie ein Blinder und ein Sehender sich an den Händen halten können und der letztere das Licht wahrnimmt, von dem der erstere nicht den geringsten Eindruck bekommt.
Da das Glück der Geister ihren Eigenschaften innewohnt, können sie es überall finden, wo sie sich aufhalten, sei es auf der Oberfläche der Erde, inmitten der Inkarnierten oder im Weltraum.
Ein einfacher Vergleich wird uns helfen, diese Situation noch besser zu verstehen. Nehmen wir an, dass sich zwei Männer bei einem Konzert treffen. Der eine ist ein guter Musiker und hat ein gutes Gehör, der andere hat keine musikalische Ausbildung und sein Gehör ist schlecht entwickelt; daher wird der eine ein Glücksgefühl empfinden, während der andere unempfindlich bleibt, denn der eine versteht und nimmt wahr, was der andere nicht wahrnimmt. So ist es auch mit den Freuden der Geister, die davon abhängen, dass sie sie wahrnehmen können. Die geistige Welt hat überall Herrlichkeiten, Harmonien und Empfindungen, von denen die niederen Geister, die noch unter dem Einfluß der Materie stehen, keine Ahnung haben, und die nur den geläuterten Geistern zugänglich sind.
Der Fortschritt der Geister ist die Frucht ihrer eigenen Arbeit. Da sie aber frei sind, arbeiten sie für ihren Fortschritt mit mehr oder weniger Fleiß, mit mehr oder weniger Müßiggang, je nach ihrem Willen. Auf diese Weise beschleunigen oder verzögern sie ihren Fortschritt und folglich ihr Glück. Während die einen schnell vorankommen, verharren die anderen jahrhundertelang in den unteren Rängen. Sie sind also die Architekten ihrer eigenen Situation, ob glücklich oder unglücklich, gemäß den Worten Christi: "Einem jeden nach seinen Werken". Der Geist, der sich verspätet, kann nur über sich selbst klagen, während derjenige, der vorankommt, das alleinige Verdienst seiner eigenen Anstrengungen besitzt und daher das Glück, das er erlangt hat, höher schätzt.